Convention Bericht zur RPC 2011

Nachdem sich die Entwicklungsphase von ODDWORLDS dank mehrerer berufsbedingter Pausen über einige Jahre hinweg erstreckt hatte (obwohl die Entwicklung des Spiels, summiert man die eigentliche Arbeitszeit zusammen, nur wenige Wochen in Anspruch genommen hat), war es so langsam an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen und das Spiel der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Was also tun? Da ich das letzte Jahr von der RolePlayConvention in Köln definitiv angetan war und aus eigener Erfahrung aus mittlerweile fast zwei Dekaden regelmäßiger Besuche der Spiel in Essen weiß, wieviele muntere Gesellinnen und Gesellen man auf solch einer Convention für ein Demospiel gewinnen kann, entstand die Idee, einen Stand auf der RPC anzubieten.

Gesagt, getan. Ein paar Mails und ein Anmeldefax später, und schon waren die Formalitäten erledigt und uns ein Stand auf der RPC sicher. Mit Janine und Florian fand ich zwei tapfere Mitstreiter, die sich bereit erklärten, mich während der Convention zu unterstützen und gemeinsam mit mir den Stand auf der RPC zu stemmen.

Damit es aber auch genügend zu spielen geben würde und das Messepublikum nicht auf blanke Tische an unserem Stand gucken müsste, waren noch die einen oder anderen Vorbereitungen zu treffen, wie beispielsweise ein schickes Banner zu designen, den einen oder anderen Kram zu kaufen und insbesondere genügend Prototypen des Spiels zu basteln, damit man die (hoffentlich) überzeugten Spielerseelen auch jeweils mit einem Exemplar des Spiels würde versorgen können.

Obwohl es von der Anmeldung bis zur RPC noch Wochen dauerte, blieb leider wenig Zeit, sich intensiv am Stück mit den Vorbereitungen zu beschäftigen, sodass ich beschloss – nachdem ich sowieso schon ein halbes Jahr damit überfällig war – , vor der RPC ein paar Tage Urlaub zu nehmen. An sich war nach meiner Planung damit alles im Lot – hätte nicht mal wieder die Realität einem einen Strich durch die Rechnung gemacht, was mich dazu veranlasst, ein wenig weiter auszuholen:

Eigentlich wollte ich schon mittwochs den wohlverdienten Urlaub antreten. Nun ist das mit der Selbständigkeit immer so eine Sache, da es sich nie mit absoluter Gewissheit voraussagen lässt, wie die Arbeitsbelastung in den nächsten Tagen sein wird. Zunächst sah alles planmäßig nach Urlaub aus, doch dann ging es in der Woche vor dem geplanten Urlaubstermin nur noch rund; natürlich freut man sich, wenn das Telefon klingelt und neue Mandate gewonnen werden, nur war die Folge, dass ich vor Donnerstagmittag, dank unzähliger neuer Akten auf dem Tisch, nicht aus dem Büro heraus kam. Dass ich zudem donnerstags morgens für einen Reifenwechsel Termin zweieinhalb Stunden hatte zuwarten müssen, machte das Ganze natürlich nicht besser (und hat dem Autohaus ein paar böse Zeilen meinerseits eingebracht..).

Jedenfalls konnte ich dann ab Donnerstag Nachmittag, tatkräftig unterstützt von Janine, mit dem Basteln der geplanten 30 Prototypen beginnen, sodass diese bis Freitag Mittag auch fast komplett fertig waren.

Fast, denn: was noch fehlte waren die Spielfiguren, welche mir jedoch laut Hersteller eigentlich bis Donnerstag, spätestens Freitagmorgen, hätten zugegangen sein sollen. Als unser Nachbar dann nachmittags im Garten herüber rief, dass bei ihm ein Postpaket für mich abgegeben worden sei, war die Aufregung groß und es dürfte nur wenige Sekunden gedauert haben, bis ich ihm in einem einzigen großen Satz entgegen gesprungen kam und das Paket aus seiner Hand riss.

Leider war das Paket nicht das erhoffte: eine Amazon Bestellung, mein langersehnter „Space – above and beyond“ US-Import. Na gut, auch hierauf hatte ich schon geifernd gewartet, aber in Sachen RPC und ODDWORLDS brachte uns das nicht viel weiter.

Die Spielfiguren hatten wir schon abgeschrieben und so dachte ich mir bereits einen Notfallplan aus: wie früher die Spielfiguren auf Fotopapier drucken und eigenhändig falzen. Sieht zwar nicht so schön aus, aber ist wenigstens etwas. Und den potentiellen Käufern könnte man ja problemlos anbieten, dass man die richtigen Spielfiguren aus Hartpappe würde nachschicken können.

Nun wurde es etwas bizarr. Mein Farbtintenstrahldrucker sagte mir zunächst nach nur einem Druck, dass es ihm gleich an mehreren Farben fehle und er daher die Arbeit verweigere.

Naja, dann halt mit dem Farblaserdrucker (den ich eigentlich sofort bemüht hätte, nur passt da das 250 g Fotopapier nicht richtig rein, was wesentlich öfters zum Papierstau denn zum ordnungsmäßigen Drucken führt). Also schnell noch das dünnste Fotopapier rausgesucht und durch den Laserdrucker gejagt. Aber auch hier war die schwarze Tonerpatrone nicht auf solche Massenproduktionen eingestellt und nach nur wenigen DIN A4 Seiten gab mir ein fröhliches Windows-Fenster bekannt, dass ich mich allerhöchstens noch auf ein paar Seiten einstellen könne.

OK. Das wird also nichts. Und jetzt? Janine hatte den (letztlich rettenden) Einfall, dass ich wenigstens noch Flyer mit unserer Standnummer drucken könnte, die sie auf der RPC verteilen könnte, so dass die Leute an unseren Stand kommen.

Oh ja, eine gute Idee. Hätte ich auch irgendwie früher drauf kommen können. Also dann, Flyer drucken. Nur mit welchem Drucker??

Offenbar reicht ein Tag Urlaub nicht aus, um die Arbeit gänzlich aus dem Kopf zu verdrängen, denn nur den Bruchteil einer Sekunde später kam der rettende Einfall: unser Kopierer in der Kanzlei. Für einen Masterdruck des Flyers reichten die  letzten Tonerreserven gerade noch aus und schon saß ich im Auto, Fahrtrichtung: City, Kanzlei.

Dort angekommen, wollte ich dem Urlaubsgedanken treu bleiben und meinen Büroraum meiden. Vom Eingang ging ich also unmittelbar nach vorne ins Großraumbüro, wo der Kopierer steht, und ließ mein Büro mitsamt Schreibtisch wortwörtlich links liegen.

Die Zufälle und Irrsinnigkeiten nahmen jedoch ihren Lauf. Nach wenigen Flyern, die ich kopiert hatte, war das weiße Papier aus. Das stört den Kopierer allerdings wenig, denn dann zieht er einfach das (gelbe) Papier aus dem Schacht, aus dem auch das Papier für die eingehenden Faxe entnommen wird.

Gelbe Flyer wollte ich jedoch nicht und so griff ich ins Regal neben dem Kopierer, um ein Paket weißes Papier rauszunehmen und damit den Kopierer aufzufüllen.

Während des Kopierens gingen dann (mittlerweile war es etwa 17:30 Uhr) zahlreiche Faxe ein und zwar derart viele, dass nun auch das gelbe Papier ausging. Das ist an sich nichts neues: selbstverständlich haben Mandanten nix besseres zu tun, als freitags abends Tonnen von Faxschreiben zu verschicken. Nur dass ich eigentlich keine Zeit für solche Späße hatte..

Zwar wäre das Wochenende sowieso keiner mehr im Büro gewesen, dennoch: wenn kein Papier im Gerät ist, dann speichert dieses Ding die Faxe zwischen und wenn zu viele Faxe eingehen sollten, macht der Speicher irgendwann nicht mehr mit. Also zurück zum Schrank, um gelbes Papier nachzufüllen.

Tja, dank desjenigen, der unseren Papiervorrat auffüllt oder eher: nicht auffüllt, war allerdings kein gelbes Papier im Papierschrank, weswegen ich entgegen aller Vorsätze nun doch durch mein Büro gehen musste, um ins Archiv zu gelangen, wo die restlichen Papierberge lagern.

Mein Glück, denn was sehe ich auf dem Weg ins Archiv auf meinem Schreibtisch stehen? Genau, ein Paket! Und zwar DAS Paket! Mit all den schönen Spielfiguren, auf welche ich so nervenaufreibend zugewartet hatte.

Warum nun das Paket an meine Kanzleianschrift geliefert wurde, obwohl dieses – wie von mir bestellt – auf meine Privatanschrift lautete, blieb in diesem Moment für mich ein Geheimnis, dass mich viele Nerven gekostet hatte (später konnte ich eruieren, dass der Paketbote freitags morgens in der Kanzlei angerufen hatte, ob er das Paket auch dorthin liefern dürfe, weil bei mir daheim niemand öffnen würde; wohlgemerkt: ich saß den gesamten Freitag Morgen im Wohnzimmer mit Blick auf die Eingangstür.. aber das nur nebenbei..).

Nichtsdestotrotz war ich endlich, auf etwas umständlicherem Wege, zu den Spielfiguren gelangt, die ich ca. 30 Minuten später, wieder daheim angekommen, mit wenigen Handgriffen den noch offenen Spielverpackungen zugab und somit endlich über 30 fertige Spieleprototypen verfügte. Zudem hatten wir jetzt noch einige Flyer zur Hand, die Janine würde verteilen können.

Endlich konnte es nunmehr losgehen.

Nach einer recht unspektakulären Autofahrt gen Köln, die wir bis auf einen üblichen Stau auf der A1 in der avisierten Zeit hinter uns gebracht hatten, kamen wir gegen 23 Uhr an der Kölnmesse an, wo wir recht bald den richtigen Hallenkomplex 2 / 3 gefunden hatten. Nun fühlt man sich ja mit einem Ausstellerausweis, den wir zu diesem Zeitpunkt schon eifrig um den Hals und stets griffbereit trugen, recht wichtig und erwartet ebenso wichtig drein schauendes Security und Messe Personal.#

Na gut, das einzige Personal, das wir anfangs antrafen, war ein müde blickender Security Mitarbeiter, der uns mit einer schläfrigen Handbewegung den Weg zur Halle 2.2. wies – ohne auch nur einen kurzen Blick auf irgendeinen Ausweis zu werfen. Wir parkten unser Auto bei den ganzen anderen Pkw, die so herum standen, in der Hoffnung, schon richtig zu stehen. Anschließend suchten wir gespannt den Eingang zur Halle, um dort alsbald mit dem Aufbau beginnen zu können. Die Beleuchtung ließ ein wenig zu wünschen übrig und so wirklich die Orientierung hatte keiner von uns, insbesondere wussten wir nicht, wo es denn in die Halle rein gehen soll.

Glücklicherweise konnten wir zwei herum streunende Mitaussteller auftreiben, die uns mit moderatem Alkoholpegel Auskunft gaben. Es gebe also einen Aufzug, da solle man klingeln. Ob da noch jemand sei, wisse man allerdings nicht. Also wünschte man uns viel Erfolg bei der Suche nach einem Aufzug und so machten wir uns auf die Suche nach eben diesem.

Noch bevor einer von uns die Wände DnD typisch nach einem (versteckten?) Schalter absuchen musste, kam uns das Schicksal zuvor und der vielbesagte Aufzug öffnete sich. Heraus trat ein knuffiger ältlicher Aufzugwärter, der uns einlud, uns bei der nächsten Fuhre mit hoch in die Halle 2.2. zu nehmen.

Wenige Minuten später – das Standgepäck noch schnell aus dem Auto geschnappt und wieder zurück zum Aufzugmann geflitzt – betraten wir erstmals an diesem Wochenende die Halle unserer Wünsche. Uns empfing neben dem üblichen, schon jetzt spürbaren Conventiongeruch, bedingt durch die zahlreichen Stände mitsamt ihren duftenden Kostbarkeiten, eine recht verschlafene Messehalle, wobei schätzungsweise erst 3/4 der Stände aufgebaut waren. Wie sich am nächsten Tag noch herausstellte, bauten viele Aussteller ihre pompöse Standwerbung erst Samstagmorgen auf, vielleicht auch, weil man aufgrund der Omnipräsenz von Messepersonal *Ironiemode off* ein wenig um den Verlust seiner Habseligkeiten durch stibitzende Mitaussteller fürchtete.

Wir waren endlich da und alles war toll – wüssten wir noch, wo unser Stand hin soll. Bewaffnet mit der Erinnerung an die Standnummer gemäß Ausstellerbestätigung sowie die im Internet eingesehene Hallenkarte, machten wir uns auf die Suche nach dem richtigen Platz. Suchend nach Angaben zu den Standnummern (in vielen Messehallen sind beispielsweise die Reihen an den Hallensäulen jeweils markiert) fanden wir nichts, sodass ich uns grob dorthin lenkte, wo ich meinte, dass unser Stand sein müsste (und was sich später auch als richtig herausgestellt hat). Da wir dennoch nicht recht sicher waren, zogen wir noch durch die Halle, bis wir auf eine relaxt herum sitzende Gruppe von Ausstellern trafen. Und jeder von uns konnte das Ausrufezeichen über deren Köpfen deutlich sehen..

Florian brauchte ein paar Minuten, um zu verstehen, warum er die Gesichter jener Herren, die er dort erblickte, kannte – obwohl er sich sicher war, noch nie ein Wort mit diesen gewechselt zu haben. Das Rätsel löste sich schnell auf, als wir erfuhren, dass es sich um die Mädels und Jungs von Magabotato handelt, bei denen wir gestrandet waren und dass Florian einfach schon zu oft deren Videos und damit auch Gesichter auf YouTube gesehen hatte.

Wir erfuhren sodann weiterhin, dass es mal so etwas wie Standnummern gegeben habe. Diese seien offenbar auf dem Boden vermerkt gewesen. Nur nachdem die Reinigungskolonne wohl ein paar Stunden zuvor den Boden gewischt habe, war von jenen Nummern jetzt nichts mehr zu erkennen – na danke!

Einer der Aussteller kam uns schließlich jedoch mit einem Programmheft zu Hilfe, in welchem die Hallenkarte drin war und bei der ich auf unsere Standnummer zeigen konnte. Ein kurzer Moment der Orientierung und wir wussten, wo wir hin mussten, und zwar eben dorthin, wo wir bereits gewesen waren.

Also Gepäck geschultert und hinübergezogen.

Es erwartete uns die nächste Überraschung. Angemietet hatte ich zwei Tische und fünf Stühle. Dort, wo unser Stand sein sollte, stand noch ein Tisch mit zwei Stühlen. Hmm. Wie sich so langsam jedoch herauskristallisierte, nahm man es seitens der Kölnmesse sowieso nicht allzu genau mit dem Ausstellertum und den Formalitäten und insoweit war zügig aus der näheren Umgebung (ein paar Meter weiter standen zahlreiche Tische und Stühle frei herum) entsprechendes Material organisiert. Wie sich am nächsten Tag zeigte, hatten wir auch niemandem, insbesondere keinem unserer Ausstellerkollegen, die Tische / Stühle entwendet, sodass wir ruhigen Gewissens das erbeutete Gut zum Aufbau unseres Standes einsetzen durften.

Noch während wir die Tisch- und Stuhlfrage klärten, machten wir die weitere Bekanntschaft mit unseren nächstgelegenen Nachbarn, den freundlichen Chummers, einer Shadowrun CosPlay Truppe. Diese Damen und Herren versüßten uns mit ihren Showeinlagen und gelegentlichen Feuergefechten (und ich dachte tatsächlich, ich wäre der einzige, der seine Nerv-Gun mitbringt…) mehr als einmal den Tag, sodass ich schon an dieser Stelle bereits einen freundlichen Gruß loswerden möchte.

Der Standaufbau ging flott von der Hand (war ja auch riesig, unser Stand, …), die noch kurz vor der Abfahrt gekaufte Samtdecke erwies sich als perfekte Tischdeko, sodass man nicht auf die blanke (und abgrundtief hässliche) Tischplatte schauen musste und ferner dem Spielmaterial ein gewisser Halt geboten wurde.

Nachdem wir uns anschließend noch ein bisschen mehr mit unseren Nachbarn vertraut gemacht hatten, machten wir uns gegen 24 Uhr auf, die Messe zu verlassen und unser Hotel aufzusuchen. Ein paar Burger im gängigen Fast-Food-Restaurant später war es dann soweit, die Äuglein zu schließen und von den nächsten spannenden zwei Tagen zu träumen, die uns bevor standen.

Gestärkt mit einem leckeren Frühstück ging es am nächsten Morgen gegen 9 Uhr zur Messe, wo man uns nach einem kurzen Wink mit unseren Austellerausweisen (diesmal stand der deutlich ausgeschlafene Messe Mitarbeiter gute 50 Meter entfernt, sodass wir wirklich mit allem hätten winken können) hinter die Halle ließ und ein weiterer freundlicher Aufzugmann uns anschließend hinauf beförderte.

In der Messehalle angekommen, gingen wir straight zu unserem Stand, wo wir unsere Nachbarn begrüßten und die Demo-Spiele vorbereiteten. In den folgenden Minuten wurde die Halle immer lebendiger, mehr und mehr Aussteller erschienen, erste Klänge von Musik ertönten. Zu unserer Rechten war der Stand des Spieleladens Neuss, der zahlreichen Bücher aus dem Bereich Rollenspiele im Sortiment hatte, auf welchen sich nach der Eröffnung der Convention gleich die ersten Besucher stürzten.

Auch die Jungs der Sith Force schräg gegenüber konnten sich ebenfalls erster Besucher erfreuen, welche die zahlreichen ausgelegten Fotos studierten und begeistert die eine oder andere Darbietung Lichtschwert schwingender Herren in dunklen Kutten genossen.

Nicht wenige Augenblicke später konnte auch ich die ersten vorbeistreifenden Besucher für ein Demo-Spiel gewinnen, von welchen Janine, Florian und ich nach dem Wochenende insgesamt gute 20 oder mehr absolviert haben würden.

Ich hatte zugegebenermaßen schon einige Wochen vor der RPC kein ODDWORLDS mehr gespielt, sodass ich selbst überrascht war, dass mir die erste Erklärung locker von den Lippen ging und auch bei den Spielern offensichtlich gut aufgenommen wurde – immerhin kamen sie später wieder und gingen mit einem Exemplar des Spiels nach Hause.

Die Spiele selbst machten großen Spaß, auch bzw. gerade als „Erklärbär“. Sobald die Spieler den Dreh raus hatten und wussten, wie sie die Odds richtig einsetzen können, um ihrem Mitspieler eins auszuwischen und Punkte zu machen, wurden die Runden mehr und mehr zu Selbstläufern.

Es zeigte sich aber auch ein Problem, dass es irgendwie zu bewältigen galt: Fast alle Demo-Spiele waren davon geprägt, dass sich die ersten Spielrunden schleppend hinzogen. Zur Ehrenrettung muss ich jedoch sagen, dass dies weniger an uns lag oder unserem Vermögen, das Spiel gescheit zu erklären, sondern schlicht an der Fülle von Informationen, welche es für die Spieler zu bewältigen galt. Da trifft das eigentliche Spielprinzip der nacheinander aktiv werdenden Oddworlds auf insgesamt acht Spielerfiguren mit zahlreichen Werten, Attributen, Fähigkeiten und Talenten. Das muss natürlich erst einmal verarbeitet werden. Dass ODDWORLDS nicht in den ersten 15 Minuten zündet, war mir allerdings schon recht früh bei den Testspielen im Freundeskreis aufgefallen, eben weil man erst ein Gefühl für die Figuren bekommen muss.

Je nachdem, aus welchem Genre die testspielenden Messebesucher kamen, dauerte es kürzer oder länger, bis der Einstieg ins Spiel geschafft war. Am schnellsten ging es wohl mit erfahrenen Tabletoppern, da diese „die paar Zahlen da“ nicht abschreckten. Muss wohl daran liegen, dass man Menschen, die in ihrer Freizeit zentimeterdicke Regelbücher zum Frühstück verspeisen, nicht mit einem vier Doppelseiten fassenden Regelheft beeindrucken, geschweigedenn einschüchtern kann.

Eine weitere Gefahr, die aber letztlich geschickt umschifft werden konnte, bestand in der hübschen Aufmachung von ODDWORLDS. Die Grafiken entrückten mehr als nur einem Besucher ein „ochgeh, sind die süß!“ und selbstverständlich waren die Besucher umso mehr davon angezogen, je jünger sie waren.

Nur war und ist ODDWORLDS nunmal kein Kinderspiel und zwar weniger deshalb, weil man sich gegenseitig kaputt hauen kann, sondern vielmehr, weil das Verstehen des Spiels schon älteren Damen und Herren – wie gerade beschrieben – zum Teil Probleme bereitete.

Scheinbar sind die ganz jungen Besucher der RPC allerdings auch rar gesät, denn bis auf ein jüngeres Kind, welches das Spiel ausprobieren wollte und von seinen Eltern (glücklicherweise? *g*) alsbald weggezerrt wurde – nachdem diese hörten, man brauche zwei Spieler und ein Demo-Spiel dauere mindestens etwa 30 Minuten -, lief uns kein weiterer potentieller Jungspieler über den Weg. Ich erlaube mir einfach, zu behaupten, dass die meisten Eltern nachwievor Rollenspiel pp. als Quatsch einstufen und ihre Kinder selbstverständlich nicht zu einem solchen Event begleiten. Also müssen jene Kinder wohl warten, bis sie alt genug sind, ohne Eltern die ehrwürdigen Hallen des Fantasyreiches zu betreten.

Tja, it´s a long way if you want to rock and roll. Aber nebenbei an alle Kinder, die das hier lesen: quält Eure Eltern, Euch zu begleiten oder kommt, sobald Ihr allein vor die Tür dürft. Es lohnt sich.

Zurück zu den Demo-Spielen: Natürlich gab es nicht nur Lobhudelei. Auch kritische Anmerkungen gab es von dem einen oder anderen Besucher, was freilich gerne zur Kenntnis genommen wurde und auch gewünscht war. Schließlich war es mir nicht nur klar, dass es Kritik geben würde, vielmehr wollte ich u.a. gerade deswegen das Spiel der Öffentlichkeit präsentieren, um Feedback zu erhalten. Die Kritik belief sich jedoch zumeist (bzw., wenn ich mich recht erinnere, fast gar nicht) auf das Spiel und dessen Regeln, sondern eher um die Aufmachung des Spielematerials. So hätten sich ein paar z.B. einen dickeren Spielplan (ähnlich einer Battlemat) gewünscht. Eine Anregung, welche ich gerne bei der Produktion der nächsten Spieleexemplare zu berücksichtigen versuche, sofern dies in geringer Auflage erschwinglich ist. Denn genau das ist auch das Problem, warum das Spiel in der Form existiert, wie es aktuell zu sehen ist.

Wie wir den meisten Besuchern, sofern sie danach gefragt hatten, erläuterten, handelt es sich bei Zombie Spiele um einen reinen Eigenverlag; ein Label, unter welchem die eigenen Spielideen (mögen noch viele folgen) der Öffentlichkeit dargeboten werden sollen. Wenn man sich ein wenig mit Spielematerial und dessen Preisen auskennt, kann man sich schnell ausrechnen, dass die Erstellung von 30 Prototypen – soviel hatten wir für den Start erst einmal gefertigt – natürlich nicht zu den Preisen herstellbar ist, wie in einer Auflage von mehreren hundert oder gar tausend Exemplaren.

Die meisten Spieler hatten jedoch entweder Verständnis für die näheren Umstände der Produktion oder aber sie kamen mit dem Material zu recht. Schließlich konnten wir sogar einige Exemplare des Spiels unter die Leute bringen, was mich darin bestärkte, an dem Konzept festzuhalten und dass das Spiel jedenfalls beeindrucken konnte.

Mit dem Erklären vergingen die Stunden auf der RPC wie im Flug. Kleine Anmerkung an dieser Stelle: wenn Ihr mal irgend etwas zwei Tage lang am Stück erklären wollt, nehmt Euch Halstabletten und Tee mit 😉 Dank einiger Liter Wasser, die wir mitgebracht hatten, konnten wir unsere Kehlen regelmäßig kühlen, sodass gröbere Halsschmerzen am Abend ausblieben. Dennoch spürte ich, dass meine Stimme am Sonntagabend langsam klein bei gab, sodass ich letztlich froh war, dass nicht noch einen dritter Tag folgte.

Zwischen den Spielrunden gab es natürlich immer einmal Pausen, die man entweder dazu nutzte, das eben erwähnte Wasser wieder wegzubringen, sprich, die sanitären Anlagen (die sich exakt in der gegenüberliegenden Ecke der Messehalle befanden) aufzusuchen. Oder aber man gönnte sich etwas zu essen, von dem ich persönlich viel zu wenig an diesem Wochenende bekam. Dritte Möglichkeit: man packte die Nerv-Gun aus und beschoss damit wahllos entweder vorbeilaufende Messebesucher, Fotografen oder die Chummers von gegenüber. Diese erwiderten dann zumeist das Feuer, und so bahnte sich ein kurzes Feuergefecht an. Auch Melvin, unser Zeichner, hatte sichtlich Spaß am Herumballern und lieferte sich an beiden Tagen mit seiner Freundin etliche Verfolgungsjagden rund um unseren Stand oder gar quer durch die Halle.

Apropos Nerv-Gun: vor einigen Monaten hatte ich mir davon ein paar bestellt, um den häuslichen Alltag etwas aufzumuntern (was definitiv funktioniert). Im Zuge der Conventionvorbereitung dachte ich, dass es doch ein Spaß wäre, eine Kanone mitzunehmen.

Was ich nicht wusste: ca. 50 Meter von unserem Stand entfernt gab es eigens einen Aussteller, der seinen Stand nichts anderem als solchen lustigen Gerätschaften widmete.

Die Folge war, dass zunächst Florian aufrüstete, frei nach dem Motte: es lebe der bewaffnete Widerstand. Es zeigte sich, dass Florian gut und gerne als Marketing Director bei jenem Aussteller hätte sein Berufsleben beginnen können, denn am Ende der Messe hatte er mindestens einer Hand voll Leuten den Kauf einer weiteren Gun schmackhaft gemacht. Die Luft war also zunehmend bleierfüllt und wo man auch hinschaute, lagen Projektile herum. Ballern macht halt jedem Spaß.

Die Stunden vergingen weiter, zahlreiche Demo-Runden, garniert mit heftigen Schusswechseln, folgten und so hatten wir auch schon recht bald die zwei Tage hinter uns gebracht. Am Ende konnten wir auf ein ausfüllendes und interessantes Wochenende zurückschauen, dass insbesondere zeigte, dass es die richtige Entscheidung war, ODDWORLDS endlich öffentlich vorzustellen.

Im Rahmen der RPC konnten wir zahlreiche Kontakte knüpfen, nette Leute sowohl aus Spieler- als auch Herstellerkreisen kennen lernen, alte und neue Freundschaften pflegen. Das Spiel bekam überwiegend gute Kritiken, erregte Aufmerksamkeit auch bei den Fotografen und Journalisten und so kann man darauf hoffen, dass der Spielerkreis sich recht bald noch erweitern wird.

Wir wurden verschiedentlich gefragt, ob wir auf weiteren Cons und Messen vertreten sein werden und so bleibt zu überlegen, alsbald mal wieder einen Stand im Zuge entsprechender Veranstaltungen zu unterhalten. Vielleicht auch einmal bei der Spiel in Essen – was sicherlich nach so vielen Jahren Besucherdasein eine interessante Erfahrung würde. Potential hierzu hätte ODDWORLDS mit Sicherheit. Zudem warten ja noch weitere Spiele darauf, endlich die Beta-Phase abzuschließen und herausgebracht zu werden. Schauen wir einfach, was die Zukunft bringen wird.

Abschließend möchten wir vom Zombie Spiele Team uns bei allen Besuchern unseres Standes bedanken. Ebenso bei unserer netten Nachbarschaft sowie allen, die uns unterstützt haben oder noch werden. Vielen Dank auch an Ferenc von Studio Backlight für einige Bilder!

In diesem Sinne: All your brainz belong to us! Bis zur nächsten Veranstaltung!

Advertisements

Schlagwörter: ,

About ZSV

Siehe Seite "zur Person"..

Trackbacks / Pingbacks

  1. RPC 2012 | Zombie Spiele - 7. Mai 2012

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: